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Neues aus der Zukunft

Na, ist der Zukunftsprozess schon bei Ihnen oder in der Gemeinde angekommen? Hat das Gebet einen Platz gefunden? Hat die Pastorin oder der Pastor schon etwas aus der Distriktsversammlung, in der auch eines der Themen bearbeitet wurde, weitererzählt.

Es erweist sich, dass der Zukunftsprozess kein Ereignis ist, das uns irgendwann plötzlich übergestülpt wird, sondern dass er sich ganz allmählich entwickelt – und ein Ende gar nicht abzusehen ist.

In der Laiendistriktsversammlung des Essener Distrikts haben wir ein Wochenende zu dem Thema

„Wertschätzung der Arbeit von Ehren- und Hauptamtlichen“ zusammengesessen. Herausgekommen ist kein Zehnpunkteprogramm, das jetzt in die Gemeinden gegeben werden könnte, sondern wir Teilnehmenden haben gelernt, unsere eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten wahrzunehmen und zu schätzen und das dann auch bei anderen sehen zu können.

Eine der Übungen bestand darin, einer anderen Person aus der Runde zu erzählen, was durch mich in meiner Gemeinde gut läuft, mit welchen Fähigkeiten und Kenntnissen ich mich in meiner Gemeinde einbringe. Da fällt es einem schon auf, wie ungewohnt das ist. Viel leichter reden wir über unsere Fehler, über das, was schief gegangen ist. Mich selbst loben ist mir schon seit meiner Kindheit und dem Spruch aus der Zeit: „Eigenlob stinkt“ verpönt.

Aber wenn ich nur auf die Fehler gucke, auf das, was schief läuft, immer nur thematisiere, wo es hakt, dann verlerne ich, auch mal das Gute anzusprechen, jemanden für seinen Einsatz zu loben, mich für etwas zu bedanken.

Sie merken, für so etwas braucht es kein Zehnpunkteprogramm, aber vielleicht muss man das Loben und auch das Eigenlob erst üben. Vielleicht bietet sich da ein Hauskreis an oder der Gemeindevorstand oder die Gemeindeleitung oder eine andere Gemeindegruppe. Vielleicht gibt es ja auch Gemeinden, die das alles schon praktizieren, in denen diese Art, Wertschätzung zu zeigen, schon stattfindet. Für die ist dieser Beitrag dann nicht geschrieben worden.

Jetzt muss ich aber Schluss machen. Sie wissen schon: bald steht das nächste Treffen der Steuerungsgruppe an.

Ihnen allen ein gesegnetes neues Jahr 2017.

Heinz Jürgen Sanio


Es gibt Bilder und Geschichten

Ab September 2016 gehen die KiC und die Lindenkirche „getrennte Wege“. Die KiC wird mit der Gemeinde Zepernick und die Lindenkirche allein einen Gemeindebezirk bilden. Doch diese getrennten Wege sind nur formal. Was bleibt sind die Beziehungen und die Erinnerung an eine gemeinsame, gesegnete Wegstrecke.

Am 13.07.16 trafen sich die Vorständer der KiC und der Lindenkirche zum letzten Mal. Dieses Treffen war keine normale Sitzung, sondern vielmehr ein „Abschiedstreffen“ in gemütlicher Runde und somit der Abschluss einer gemeinsamen Arbeit, in der wir uns gegenseitig befruchtet haben.

Dirk Dederding leitete diesen Abend mit Gedanken über den Bibeltext aus Josua 3 ein.

Der Übergang über den Jordan

Am nächsten Morgen brach Josua mit dem ganzen Volk von Schittim aus auf und zog mit ihnen bis an den Jordan. Dort schlugen sie ihr Lager auf. Am dritten Tag schickte Josua wieder die Aufseher durchs Lager und ließ den Befehl ausgeben: »Wenn ihr seht, dass die Priester aus dem Stamm Levi die Bundeslade des HERRN, eures Gottes, aus dem Lager tragen, dann brecht auf und zieht hinter ihr her! Sie wird euch den Weg zeigen; ihr seid ihn ja noch nie gegangen. Kommt der Lade aber nicht zu nahe, sondern haltet einen Abstand von etwa tausend Schritten!« Weiter sagte Josua zum Volk: »Macht euch bereit! Sorgt dafür, dass ihr rein seid, wie der HERR es von seinem Volk verlangt. Denn morgen wird der HERR ein Wunder für euch tun.« Am nächsten Tag befahl Josua den Priestern: »Nehmt die Bundeslade und geht vor uns her durch den Jordan!« Da hoben sie die Bundeslade auf ihre Schultern und gingen dem Volk voran. Nun brach das Volk auf, um den Jordan zu überschreiten. An der Spitze des Zuges gingen die Priester mit der Bundeslade. Es war gerade Frühjahr; um diese Zeit führt der Jordan so viel Wasser, dass er über die Ufer tritt. In dem Augenblick, als die Priester den Fuß ins Wasser setzten, staute sich der Fluss weit oben bei dem Ort Adam in der Nähe von Zaretan und das Wasser unterhalb der Stauung lief zum Toten Meer ab. So konnte das ganze Volk trockenen Fußes bei Jericho durch den Jordan gehen. Die Priester aber blieben mit der Bundeslade im Flussbett stehen, bis alle sicher auf der anderen Seite angekommen waren.“

Es gibt Bilder und Geschichten, die sind tief verwurzelt im Gedächtnis bei mir. Und wenn ich diese Bilder und Geschichten beschreibe und erzähle, dann sagt der eine oder andere auch – ja klar, das war was, das bleibt auch mir immer in Erinnerung.

Genscher auf dem Balkon in Prag, tanzende Menschen auf der Berliner Mauer, der einschwebende Container in der „Weißen Stadt“.

Alle diese Dinge haben etwas Gemeinsames. Ich war nicht in Prag zu dieser Zeit, ich habe nie auf der Mauer getanzt und ich habe nicht gesehen wie unser KiC vom Himmel schwebt. Und doch sind es Bilder, die mir nicht aus dem Kopf gehen, die mich geprägt haben, die mir gezeigt haben, dass das Unmögliche möglich wird.

Auch für das Volk Israel ist das Unmögliche möglich geworden. Sie stehen vor dem Jordan und gleich ziehen sie ins gelobte Land. In das Land, dass Gott ihnen versprochen hat. Und wie damals am Anfang wo sie vor dem Roten Meer standen, stehen sie jetzt wieder vor einem Wasser das sie überqueren müssen. Nur hinter ihnen ist kein Pharao mit seiner Armee. Hinter ihnen liegt der Weg den sie gegangen sind. Ein Weg mit vielen Umwegen, mit Frust, Enttäuschung, Zweifel und immer voller Sehnsucht. Sie müssen nur noch diese Schritte über den Jordan wagen, dann sind sie am Ziel.

Schritte wagen, so hieß auch unsere erste gemeinsame Gemeindefreizeit in Wünsdorf im Juni 2003. Mit diesem Bibeltext beschäftigten wir uns an diesem Wochenende.

„Schritte wagen im Vertrauen auf einen guten Weg, Schritte wagen im Vertrauen das letztlich er mich trägt“, so heißt es in einem Lied. Wir hatten viel vor. Im April 2003 hatten wir beschlossen, ein Grundstück in der Weißen Stadt zu kaufen mit dem Ziel eines Neubaus. Und bereits ein Jahr später im April 2004 stimmt die NJK dem Kauf dieses Grundstückes zu. Wege, die wir noch nicht gegangen sind. Aufbruchsstimmung ja, aber auch Aufbruch ins Unbekannte und Ungewisse. Da braucht es Orientierung.

Genauso wie Josua und die Israeliten am Jordan inne hielten, so hielten auch wir inne. Inne halten ist gut bevor man sich auf den Weg macht. Sich gegenseitig stärken, hinterfragen, sich der Nähe Gottes gewiss sein.

Die Bundeslade geht voraus. Sie verkörpert das Heilige. Gott geht voran. Das lässt die, die hinter ihr herziehen, Abstand wahren, den Schritt verlangsamen und doch in der Spur bleiben. Denn Gottes Versprechen das er einst Mose gab, gilt auch Josua und den die mit ihm unterwegs sind. Keine leeren Durchhalteparolen, sondern handfeste Bewahrung und Begleitung.

Gott geht voran! Das ist auch für uns eine feste Zusage. Auf diese Zusage dürfen wir bauen (und haben gebaut). Mit dieser Zusage können wir in der Spur bleiben. Für diese Gewissheit lohnt sich der Blick zurück. Der Weg, den wir gemeinsam gegangen sind zeigt es uns - Gott geht voran! Für die Zukunft brauchen wir Vertrauen. Da lohnt sich der Blick zurück.

So wie bei Josua. Am Jordan kehren die Bilder vom geteilten Schilfmeer wieder, durch das Mose einst die Israeliten geleitet hat. Und genau wie damals wird das reisende Wasser gebannt. Und doch erfordert es Mut zu gehen. Was wenn in der Mitte alles zusammenbricht? Wenn die Wasserfluten über uns kommen?

Der Blick zurück gibt Mut vorwärts zu gehen. Nicht verharren in der schönen alten Zeit, sondern allen Mut zusammen nehmen und die Schritte wagen im Vertrauen das Gott auch in der Zukunft voran geht. Im Hebräer 11,1 heißt es: „Gott vertrauen heißt: sich verlassen auf das, was man hofft, und fest mit dem rechnen, was man nicht sehen kann.“ Für mich ein ganz steiler Satz. Ein Satz, der mich nach vorn blicken lässt. Denn wir stehen mehr als einmal vor dem Jordan, mehr als einmal müssen wir neue, unbekannte Wege gehen. Und selbst wenn man am anderen Ufer ist, ist man nicht am Ziel.

Auch Josua wusste das. Der Weg geht weiter. Zur Ruhe kommen ja, sich besinnen ja, Gott danken auf alle Fälle, aber nicht stehen bleiben. Wir sind auf der Wanderschaft. Als zwei Gemeinden waren wir auf dem Weg. Aus Patenschaft wurde Partnerschaft. Wir sind formal nicht mehr zusammen und doch sind wir auch weiterhin gemeinsam auf dem Weg. Gemeinsam in einer Kirche, gemeinsam als Nachbarn, gemeinsam als Glaubende. Gott ist unseren Weg mitgegangen, vorangegangen und auch in Zukunft können wir mit Gott rechnen.

D. Dederding


Gedanken von zwei großherzigen Menschen:

 

      Viel Kälte                                                            Laß nicht zu,

     Ist unter den Menschen,                                  daß du jemandem begegnest,

     weil wir nicht wagen,                                      der nicht nach der

    uns so herzlich zu geben,                                 Begegnung mit dir

    wie wir sind.                                                      Glücklicher ist.

   Albert Schweitzer                                             Mutter Teresa

 

Kommentar gelesen:

Es ist wohltuend, was der große Menschenfreund Albert Schweitzer in seinem

Zitat sagt. Wenn es im zwischenmenschlichen Bereich zu Unstimmigkeiten kommt, dann sieht er „die Kälte unter den Menschen“, unter der so mancher leidet, nicht als Böswilligkeit oder Charakterfehler an. Er glaubt vielmehr, dass in jedem Menschen der Wunsch nach Verstehen und Mitgefühl, Zuwendung und Freundlichkeit steckt und dass wir all dies auch gern anderen geben würden. Trotzdem halten sich viele mit ihren herzlichen Reaktionen lieber etwas zurück. Man kann ja nie wissen, wie die anderen das aufnehmen! Auch die Angst, verletzt oder ausgenützt zu werden, wenn man sich von seiner weichen Seite zeigt, mag ein Grund dafür sein.

Wenn wir aber das Glück menschlicher Begegnungen erleben wollen, sollten wir uns durch solche Überlegungen nicht irritieren lassen. Wer nicht nur ohne Vorurteile, sondern mit Wohlwollen auf seine Mitmenschen zugeht, wird meist nicht enttäuscht, sondern belohnt. Aber nicht diese Erwägung soll unser Motiv sein, sondern der Wunsch, die guten Seiten im anderen zur Geltung zu bringen – und unsere eigenen guten Seiten auch. Dann kann das menschliche Miteinander zur Bereicherung für alle werden.

Dazu helfe und segne uns Gott. Das wünscht sich Eure Hanna