Pastor

Liebe Leserin, lieber Leser,

den unerwarteten Tod des Vaters verarbeitete ein Sänger in einem Lied, das später in die Musikgeschichte des deutschen Rock eingehen sollte. „Verdamp lang her“. Kein Schreibfehler, das Lied gibt es nur auf Kölsch von der Kölner Band BAP. Worum es genau in dem tiefgründigen Song geht, wissen wohl die wenigsten Freunde dieses Liedes. Doch den kurzen Refrain „Verdamp lang her“ verstehen alle und stimmen leidenschaftlich mit ein. So stelle ich mir die Geschichte von Mose vor, als er Gott bittet, sich ihm in seiner ganzen Herrlichkeit zu zeigen. Das kann kein Mensch überleben, heißt es in der Geschichte. Aber Gott bietet immerhin einen Kompromiss an oder sagen wir besser ein Trostpflaster: Mose soll in eine Felsspalte. Und solange Gott vorüberzieht, hält Gott seine Hand vor die Spalte, damit er nicht umkommt. So kann Mose zumindest Gott hinterher schauen. Ist das nicht ein schönes Bild? Als Kind hatte ich mir das so vorgestellt, dass Gott als Riese im königlichen Gewand vorbeizog, während der Zwerg Mose hinterherschaute und kleiner war als der Saum des Gewandes. Mein Gottesbild hat sich inzwischen erheblich verändert („vergrößert“). Was dieses biblische Bild aber vortrefflich beschreibt, ist die Realität des Glaubens, dass wir von Gott nur einen Bruchteil erfahren und verstehen können. Und trotzdem ist es ausreichend. Mose genügte es, um Gott ganz zu vertrauen und seinen Auftrag anzunehmen. Und so tun es die Gläubigen seit Jahrtausenden. Ich muss gar nicht alles verstehen, ähnlich wie bei dem kölschen Lied, um in das Lied des Bekenntnisses zu Gott einzustimmen. Der Monatsspruch für Juli hält fest, was schon genügt: „Der Herr gab zur Antwort: Ich will meine ganze Schönheit vor dir vorüberziehen lassen und den Namen des Herrn vor dir ausrufen. Ich gewähre Gnade, wem ich will, und ich schenke Erbarmen, wem ich will.“ 2. Mose 33,19. Gnade und Erbarmen schenkt Gott, was will ich noch?! Ich hätte durchaus eine Reihe von Fragen an Gott. Doch den Ursprung des Lebens duzen zu können, unverdient geliebt zu sein (Gnade) und zu wissen, dass diesen Gott auch meine persönlichen Sorgen nicht kalt lassen (Erbarmen), sondern mir nahe kommt – das ist schon fast mehr, als ich fassen kann. In diesen Refrain des Glaubens stimme ich voll Überzeugung ein.

Es grüßt Ihr Pastor Andreas Fahnert