Fahner Andreas 2016-04

Monatsspruch April: Lukas 24, 5-6 Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich mochte von klein auf Mathe. Ich liebte es, im Kopf zu rechnen. Als ich schließlich Theologie studierte, sehnte ich mich nach dem 1 +1 = 2 oder 2 x 2 = 4. Denn z.B. das Verstehen der Gleichnisse Jesu war nie ganz eindeutig. Bilder lassen immer mehrere Deutungen zu. Warum kann es nicht eindeutig sein, fragte ich mich manchmal. Und dann kam es noch dicker. Da steht im Matthäusevangelium Kap. 18, Vers 20, Jesus soll gesagt haben: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen…“ Wie viele denn nun, kann sich selbst Jesus nicht exakt ausdrücken? Wenn ich beim Bäcker bin und 6 oder 7 Brötchen bestelle, ist es O.K. „Tun Sie so viele hinein, bis die Tüte voll ist.“ Doch bei Jesus wünschte ich mir mehr Klarheit: Reichen nun 2 Personen oder müssen es mindestens 3 sein? Doch dann kam mir die Erleuchtung bei der Ostergeschichte von den “ Emmausjüngern“. Die zwei gehen nach der Kreuzigung Jesu zu dem Ort Emmaus. Sie dachten, alle Hoffnung ist mit Jesus gestorben. Da gesellt sich der auferstandene Jesus zu ihnen und begleitet sie, ohne dass sie ihn erkennen. Schließlich kehren sie am Abend ein und beim Abendbrot entdecken sie plötzlich im (Dritten) Begleiter Jesus. Und als sie es merken, ist Jesus nicht mehr da. Preisfrage: Waren sie nun zu zweit oder zu dritt unterwegs? „Wo zwei oder drei…“ Hier gewinnt die Ungenauigkeit plötzlich Klarheit für mich. Jesus ist mir nah. Mal spüre ich seinen Geist mitten unter uns, mal entdecke ich ihn konkret im Gesicht eines anderen, dem freundlichen Blick, dem verständnisvollen Lächeln oder dessen tröstendem Wort. Es kommt nicht auf das Zählen an, sondern darauf, was der Monatsspruch April meint: Erwarten wir, Jesus neu zu begegnen, anstatt nur sein Gedenken zu pflegen. Ihr Pastor Andreas Fahnert