Gedanken zum Bonhoeffer-Lied

„Von guten Mächten“ dürfte wohl zu den beliebtesten Gemeindeliedern gehören. Vielen Menschen hat es schon Trost in herausfordernden Zeiten gespendet. Im Gesangbuch finden wir es unter der Rubrik „Jahreswechsel“, denn in der 1. Strophe heißt es: „Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.“ Bonhoeffer hat dieses Lied im Gefängnis an seine Verlobte geschrieben. Und ich bin immer wieder beeindruckt, wie er in solch einer Situation so viel Vertrauen und Geborgenheit empfinden konnte. Aber genau das zeigt doch etwas von dem Wirken der guten, unsichtbaren Mächte! Ja, sie sind oft unsichtbar, darum ist es so wichtig, dass wir sie sichtbar machen, indem wir von ihnen erzählen, wo und wie wir sie erlebt haben.

Daher hatten wir euch eingeladen, uns eure Gedanken und Erfahrungen zu diesem Lied zu schreiben, um sie hier im Gemeindebrief miteinander zu teilen und einander zu ermutigen. Vielen Dank an die, die dieser Einladung gefolgt sind!

Maren Herrendörfer

Gott ist bei uns am Abend wie am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Der Psalmsänger des 121. Psalms erfasst ganz genauso diese tröstende, dankbar- und frohmachende Zusage des Bonhoeffer-Liedes: „Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.“
Der Schluss des Refrains bei Bonhoeffer und der letzte Vers des Psalms geben mir am Ende jeden Tages Ruhe und Frieden und an jedem Morgen Mut, Zuversicht und Freude für den Tag. Gerade in dieser für alle Menschen auf der Erde so schweren Corona-Zeit.
Wir dürfen Gott bitten mit der letzten Strophe von „Großer Gott, wir loben dich“: Herr, erbarm, erbarme dich, auf uns komme Herr dein Segen. Deine Güte zeige sich, alles der Verheißung wegen. Auf dich hoffen wir allein! Lass und nicht verloren sein. Helga Rüdiger

Mir ist eine Liedzeile aufgefallen und wichtig geworden: „Ach Herr gib unsern aufgeschreckten Seelen das Heil, für das du uns geschaffen hast.“ Ein Aufschrei, in dem Sehn-sucht, Hoffnung und Trost stecken. Die aufgeschreckte Seele soll Heil erfahren!
Die Frage: wofür hast Du uns geschaffen? - Eine geheim-nisvolle Zukunft!?
Heil für Körper und Seele brauchen wir, danach sehnen wir uns. Da steckt etwas Vollkommenes, Abgeschlossenes und Vollendetes drin. Eine Ruhe, Geborgenheit und Zufriedenheit. Ich bin ein Kind Gottes und mein Leben hat ein Ziel.
Gib mir das Heil, für das du mich erschaffen hast ! … So kann ich leben. Das wünsche ich uns allen.

Herzliche Grüße und eine gesegnete Woche, Ruth Ellwitz


Welch wunderbarer Glaube, welch Vertrauen, welche Kraft - Dietrich Bonhoeffer persönlich zu begegnen muss für seine Zeitgenossen fast wie seinerzeit eine Begegnung mit Jesus gewesen sein. Er hat den Glauben gelebt - unser Nachbardorf Lobetal kann davon erzählen.

Rosel Wunderlich-Marsing

In meiner Jugend war dieses Lied immer ein fester Bestandteil, wenn ich zum Jahreswechsel mit Freund*innen einige Tage gemeinsam verbrachte. Entstanden im Dezember 1944 im Gefängnis, nachdem Bonhoeffer schon 18 Monate in Haft war und er ahnte, dass er die Mauern nicht mehr lebend verlassen würde. Dieses grenzenlose Vertrauen hat meinen Glauben sehr geprägt und ermutigt mich bis heute. Jetzt, in dieser Zeit, leuchtet es für mich wieder besonders stark! Ich würde das Lied als 151. Psalm sofort in die Bibel aufnehmen, wenn ich könnte.

Andreas Fahnert