Fahner Andreas 2016-04

Lieber Leser, liebe Leserin,

Paul, 7 Jahre, macht große Augen. Er steht in einer alten großen Kirche vorn am Altar und schaut auf die großen Kirchenfenster dahinter. Die Sonne strahlt durch die Fenster mit den Darstellungen. “Wer ist das?“, fragt er. Seine Mutter folgt dem Blick und antwortet: „Das ist der heilige Martin. Du kennst doch die Geschichte von St. Martin?!“ Als am nächsten Tag die Lehrerin in der Schule fragt: „Was sind Heilige?“, sagt Paul etwas unsicher: „Heilige sind Menschen, durch die die Sonne scheint.“ Hinter dieser schlichten Beobachtung verbirgt sich ein tiefer Sinn. Der berühmte Sankt (lat. für heilige) Martin wendete sich einem frierenden Bettler zu, zerschnitt seinen Soldatenmantel und gab die Hälfte dem Armen. Martin beschenkte den Bettler unerwartet. Gottes Liebe schien in dessen Alltag. Zu St. Martin lasen wir die übliche Geschichte aus Matthäus (25,31-40), bei der am Ende Jesus sagt: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder oder für eine meiner geringsten Schwestern getan habt, dass habt ich für mich getan.“ Die 6 Werke der Barmherzigkeit kommen darin vor. Neben dem Kleiden des Nackten werden noch genannt: dem Hungernden zu essen und der Durstigen zu trinken geben, den Fremden aufnehmen, die Kranke und den Gefangenen besuchen. „Heilige sind Menschen, durch die die Sonne scheint.“ Das beginnt immer im Kleinen. Die Adventszeit lädt nicht nur zum Besuchen oder selbst die Türen öffnen ein. Z.B. ein offenes Ohr oder ein wertschätzendes Wort sind wie Sonnenstrahlen. Aber auch aufstehen gegen Rechtspopulismus, wenn Menschen ausgegrenzt werden sollen. Denn durch unsere Gesellschaft wehen immer lauter eisige Winde, die mit kalten, herzlosen Worten erzeugt werden. Heilige sind Menschen, durch die die Sonne scheint.

Erfüllte Tage in der Adventszeit wünscht Ihnen Pastor Andreas Fahnert