Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach. Amos 5,24 Monatsspruch Juli 2026

Liebe*r Leser*in,

am 17. Mai war ich um 10.00 Uhr nicht in der Kirche, sondern auf dem Marktplatz. (Glücklicher Weise hatten wir nachmittags Gottesdienst.) An diesem internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie wird seit vielen Jahren die Regenbogenfahne feierlich gehisst – auch in Oranienburg. Kurz zuvor las ich in der Zeitung, das schon wieder Stadtverordnete der AfD einen Jugendclub in Oranienburg bedrängt haben und unangemeldet hineinwollten. Es ist nicht das erste Mal. Bürgermeisterin Jennifer Collin-Feeder machte deutlich, dass die Clubs Schutzräume sind und nicht ohne Anmeldung von Stadtverordneten betreten werden dürfen. Und es sind nur bestimmte Jugendeinrichtungen, die die AfD Abgeordneten unter Druck setzen wollen, weil sie nicht ihrer politischen Linie entsprechen. Darum war es mir wichtig, dabei zu sein, als die Regenbogenfahne in Oranienburg gehisst wurde. In den Reden ging es nicht nur um die Rechte der queeren Community, sondern gegen jegliche Form von Ausgrenzung und Rassismus und für eine freie, bunte und vielfältige Gesellschaft. 

Im selben Zeitraum kam die Meldung, dass in Velten rechte Parteien ein Gesetz durchbringen wollen, dass öffentliche Räume nicht für Gottesdienste, Gebete und ähnliche religiöse Veranstaltungen vermietet werden dürfen. Die einzigen, die seit Jahren einen Raum wöchentlich für eine Stunde mieten, sind Muslime für ihr Freitagsgebet. Damit wird deutlich, gegen wen sich der Beschluss letztlich richtet, der den Anschein von religiöser Neutralität wahren soll. Doch es ist ein Angriff auf unsere Religionsfreiheit.

Der Monatsspruch Juli, der uns auffordert, für Recht und Gerechtigkeit einzustehen, steht am Ende eines Abschnittes, in dem der Prophet das Sozialverhalten des Volkes kritisiert. Arme werden unterdrückt und das Recht mit Füßen getreten, heißt es da. Das ruft Gottes Zorn hervor. Der Prophet sagt, Gott mag das Geplärr der Lieder und das Harfenspiel im Gottesdienst nicht mehr hören. Wenn Unrecht regiert, sind die Gottesdienste nur scheinheilig und nichts wert.

So sind wir heute genauso aufgerufen, gegen Unrecht aufzustehen und Minderheiten zu schützen. Der Gottesdienst am Sonntag steht auch heute im direkten Zusammenhang mit unserem Gottesdienst im Alltag. Wir können nicht wegschauen, wenn Minderheiten angegriffen werden, sonst wird Gott auch unsere Lieder nicht mehr hören wollen.

Ich wünsche Ihnen einen Sommer, in dem Gerechtigkeit blüht

Ihr Pastor Andreas Fahnert